Winkler fordert Aufklärung über Millionen-Schaden an Freiburger Kanalnetz
Aggressive Abwässer aus dem Industriegebiet Nord
Mehr als drei Jahre nach dem Einsturz eines Abwasserkanals entlang der Lembergallee im Freiburger Industriegebiet Nord ist die Ursache noch immer nicht abschließend geklärt. Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert) hat nun mit einer Anfrage nach § 24 Abs. 4 der Gemeindeordnung eine Reihe von Fragen an Oberbürgermeister Martin Horn gerichtet und fordert Aufklärung über die Verantwortlichkeiten und die möglichen Folgen für Umwelt und Gebührenzahler.
Im April 2022 war ein Teil der Abwasserleitung eingestürzt. Laut Bericht der Badischen Zeitung vom 25. Juli 2025 sollen aggressive Abwässer eines bislang unbekannten Einleiters aus dem Industriegebiet Nord die Schäden verursacht haben. Als Ursache wurde biogene Schwefelkorrosion festgestellt – ein chemischer Prozess, bei dem Mikroorganismen Schwefelverbindungen in Schwefelsäure umwandeln und dadurch Betonrohre angreifen.
Winkler erinnert daran, dass das Einleiten solcher Stoffe gegen die Freiburger Abwassersatzung verstoße, die ausdrücklich festlege, dass alle Stoffe verboten sind, „die die öffentlichen Abwasseranlagen angreifen, ihre Funktionsfähigkeit oder Unterhaltung behindern, erschweren oder gefährden können“. Die Stadt rechne inzwischen mit Sanierungskosten im oberen einstelligen Millionenbereich.
Der Stadtrat will nun wissen, warum nach mehr als drei Jahren immer noch nicht ermittelt wurde, wer die schadhaften Abwässer eingeleitet hat. „Wieso kann aufgrund der doch wohl durchgeführten Kanal-Kontrollen nicht zurückverfolgt werden, wer der Verursacher ist?“, heißt es in seiner Anfrage.
Ebenso stellt er die Frage, ob die Badenova-Tochter BN Netze die Stadt rechtzeitig gewarnt habe. „Wieso kann nicht geklärt werden, ob BN Netze tatsächlich aufgrund von Video-Kontrollen vor der Zerstörung der Abwasserrohre gewarnt hat oder ob der Eigenbetrieb Stadtentwässerung die Warnungen ignoriert hat? Gibt es keine Dokumentationspflichten, wann Kontrollen stattgefunden und zu welchen Resultaten sie geführt haben?“, fragt Winkler weiter.
Darüber hinaus kritisiert er, dass Einleitern offenbar keine Pflicht zur Vorbehandlung ihrer Abwässer auferlegt werde, um Schwefelkorrosion zu vermeiden. „Das Einleiten solcher aggressiven Stoffe widerspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern auch der Satzung. Hier muss künftig Vorsorge getroffen werden, bevor Schäden entstehen“, so Winkler.
Auch die finanziellen Folgen für die Freiburgerinnen und Freiburger sind Thema der Anfrage. Der Stadtrat will wissen, ob durch die hohen Sanierungskosten steigende Abwassergebühren drohen. Ebenso fragt er, ob gefährliche Stoffe in den Untergrund gelangt und mögliche Schäden für Umwelt und Grundwasser entstanden sein könnten.
Abschließend fordert Winkler, dass die Stadt konkrete Maßnahmen ergreift, um vergleichbare Vorfälle künftig zu verhindern. „Es darf nicht sein, dass millionenschwere Schäden entstehen und niemand die Verantwortung trägt“, so der Stadtrat.