Studie fordert gerechtere Förderpolitik für die Energiewende

[FREIBURG]

Von Förderprogrammen für die Energiewende profitieren weltweit bislang vor allem Haushalte mit höherem Einkommen. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Freiburg. Die Wissenschaftler sehen darin ein Problem, weil bestehende soziale Ungleichheiten dadurch weiter verschärft werden könnten.

An der Untersuchung beteiligt waren Hannah Hoehnke und Dr. Moritz Wussow vom Climate Action Research Lab der Universität Freiburg sowie Dr. Chad Zanocco von der Stanford University. Gemeinsam mit weiteren Forschenden der Universitäten Stanford, Indiana und Pennsylvania werteten sie systematisch wissenschaftliche Arbeiten zur Förderung grüner Technologien aus. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Reviews Clean Technology“ veröffentlicht.

Die Analyse identifiziert drei Ebenen, auf denen Hindernisse für einkommensschwache und benachteiligte Haushalte entstehen. Auf individueller Ebene gehe es häufig um fehlende Informationen, mangelnden Zugang zu Krediten und Förderprogrammen sowie um Interessenkonflikte zwischen Mietern und Vermietern. Auf kommunaler Ebene erschwerten unter anderem unzureichende Infrastruktur und Falschinformationen die Teilhabe, besonders in strukturschwachen Regionen. Hinzu kämen auf institutioneller Ebene bürokratische Hürden und historisch gewachsene Ungleichbehandlungen.

Moritz Wussow erklärt, dass Förderprogramme gezielt auf diese verschiedenen Barrieren reagieren müssten. Hannah Hoehnke weist darauf hin, dass viele gut gemeinte Programme bestehende Ungleichheiten eher verstärkten, anstatt sie abzubauen. So kämen Steuervergünstigungen Haushalten ohne Steuerschuld nicht zugute. Auch Netzentgelte würden auf alle Verbraucher umgelegt, also ebenso auf jene, die sich selbst keine Solaranlage leisten könnten. Komplexe Antragsverfahren würden zudem gerade diejenigen abschrecken, die Unterstützung besonders dringend bräuchten.

Aus ihrer Untersuchung leiten die Forschenden mehrere Grundsätze für eine gerechtere Energiepolitik ab. Förderprogramme sollten stärker auf die tatsächlichen Hürden benachteiligter Gruppen zugeschnitten werden. Aus Sicht des Teams seien direkte Zuschüsse oder sofortige Preisnachlässe für einkommensschwache Haushalte oft wirksamer als spätere steuerliche Vorteile. Ebenso brauche es weniger Bürokratie und eine stärkere Ausrichtung an lokalen Bedürfnissen.

Darüber hinaus sprechen sich die Wissenschaftler für stärker gemeinschaftsorientierte Ansätze aus. Investitionen in Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden, in Ladeinfrastruktur oder in kommunale Energiegemeinschaften könnten dazu beitragen, Zugangsbarrieren zu überwinden und mehr Menschen für saubere Technologien zu gewinnen. Gerade in ländlichen Regionen könnten gemeinschaftliche Lösungen Hindernisse abbauen, die einzelne Haushalte allein nicht bewältigen könnten.

Die Autoren plädieren zudem für neue Maßstäbe bei der Bewertung von Förderprogrammen. Entscheidend sollte demnach nicht nur sein, wie viele neue Anlagen installiert oder Fahrzeuge zugelassen werden. Künftig müsse stärker berücksichtigt werden, ob Förderungen alle Einkommensgruppen erreichten und ob sie die Energiekosten für benachteiligte Haushalte tatsächlich senkten.

Hoehnke betont, dass Klimaschutz und Gerechtigkeit nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Eine breite Beteiligung über alle Einkommensgruppen hinweg sei vielmehr eine Voraussetzung dafür, die Klimaziele überhaupt erreichen zu können.

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