Freiburger Studie sieht gemeinsame Muster der Immunabwehr im Gehirn
Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg hat gemeinsam mit internationalen Partnern neue Erkenntnisse über die Immunabwehr im Gehirn gewonnen. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass das Immunsystem des Gehirns bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen nach ähnlichen Mustern reagiert. Die Studie wurde am vergangenen Dienstag, 25. März 2026, im Fachjournal „Nature Immunology“ veröffentlicht.
Untersucht wurden Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Multiple Sklerose und Hirntumoren. Obwohl diese Krankheitsbilder sehr verschieden verlaufen, nutzt die Immunabwehr des menschlichen Gehirns dabei vergleichbare Reaktionsmuster. Zudem erstellte das Forschungsteam detaillierte Karten des Gehirns, die zeigen, an welchen Stellen bestimmte Immunzellen bei Erkrankungen aktiv sind. Daraus lassen sich nach Angaben der Forscher wichtige Rückschlüsse auf deren Funktion ziehen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Immunzellen im Gehirn bei unterschiedlichen Erkrankungen nach ähnlichen Mustern reagieren. Das Immunsystem hat eine überschaubare Menge an Bausteinen und Programmen, die unterschiedlich kombiniert werden“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Marco Prinz, Ärztlicher Direktor des Instituts für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg und Mitglied im Exzellenzcluster Centre for Integrative Biological Signalling Studies der Universität Freiburg. Zu diesen Bausteinen gehörten unter anderem der Schutz von Nervenzellen, Entzündungsreaktionen, Zellteilung und die Aktivierung anderer Hirnzellen. Das helfe dabei, krankheitsrelevante Prozesse genauer zu beschreiben und mögliche Ansatzpunkte für künftige Therapien besser zu erkennen.
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Mikroglia. Diese Immunzellen kommen dauerhaft im Gehirn vor, überwachen das Nervengewebe, beseitigen Zellreste und reagieren auf Entzündungen, Verletzungen oder das Absterben von Nervenzellen. Für die Studie analysierte das Team Immunzellen aus menschlichem Hirngewebe von Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Ergänzend wurden Mausmodelle mit denselben experimentellen und computergestützten Verfahren untersucht. So konnten die Forscher zeigen, dass sich wichtige Muster der Immunabwehr in menschlichem Gewebe wiederfinden und in Mausmodellen in ähnlicher Form auftreten.
Eine besondere Rolle spielte dabei nicht nur die Art der Reaktion, sondern auch der Ort ihres Auftretens im Gehirn. „Entscheidend war für uns nicht nur zu sehen, welche Programme der Mikroglia es gibt, sondern auch, wo sie im erkrankten Gewebe auftreten“, sagt Dr. Chintan Chhatbar, Erstautor der Studie am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Freiburg. „Erst dadurch wird sichtbar, welche Reaktionen wahrscheinlich direkt mit typischen Krankheitsprozessen zusammenhängen.“ So fanden sich bei Morbus Alzheimer bestimmte Mikroglia-Aktivierungen in der Nähe typischer Eiweißablagerungen, bei Multipler Sklerose eher an den Rändern von Läsionen und bei Hirntumoren in unmittelbarer Nähe von Tumorzellen.
Nach Angaben der Forscher erweitert die Arbeit frühere Studien, in denen die Verteilung einzelner Zelltypen im Gehirn kartiert wurde, nun um eine krankheitsübergreifende und räumlich aufgelöste Einordnung. Die Ergebnisse schaffen damit eine Grundlage, um die Immunabwehr im menschlichen Gehirn bei verschiedenen Erkrankungen besser vergleichen und mögliche Angriffspunkte für Behandlungen genauer bestimmen zu können.
In weiteren Schritten will das Forschungsteam prüfen, welche dieser Programme sich gezielt beeinflussen lassen und welche Rolle sie künftig für Diagnostik, Verlaufskontrolle und Therapie spielen könnten.