Streit um geplanten Klinikneubau im „Diakonissengarten“ in Herdern

[FREIBURG-HERDERN]

Das geplante Bauvorhaben für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Freiburg-Herdern sorgt weiterhin für Diskussionen. Hintergrund ist die Anfrage von Stadtrat Dr. Wolf-Dieter Winkler an Oberbürgermeister Martin Horn zu möglichen Neubauplänen auf dem Gelände des sogenannten „Diakonissengartens“ an der Hauptstraße 8. Viele Anwohner zeigen sich nach eigenen Angaben besorgt über eine mögliche Bebauung der Parkfläche.

Bei dem Areal handelt es sich um das 1897 errichtete ehemalige Diakonissenhaus, das 1973 an das Land Baden-Württemberg verkauft wurde. Heute sind dort unter anderem Abteilungen der Uniklinik untergebracht, darunter die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der angrenzende Park mit altem Baumbestand, Spiel- und Bolzplatz wird von Klinik, Anwohnern und Bewohnern des benachbarten Mutterhauses genutzt und gilt im Stadtteil als wichtige Grünfläche.

Winkler verweist in seiner Anfrage auf die aus seiner Sicht starke Nachverdichtung Herdens in den vergangenen Jahrzehnten und bezeichnet eine mögliche Bebauung des Parks als „Schmerzgrenze“. Er stellt unter anderem die Frage, warum es kein übergeordnetes städtebauliches Konzept für das heterogene Klinikareal gebe und ob Alternativstandorte geprüft worden seien.

In der schriftlichen Antwort aus dem Dezernat V teilt Baubürgermeister Prof. Dr. Martin Haag mit, dass sich konkrete Planungen des Landes noch in einem frühen Stadium befänden. Ein detaillierter Austausch zwischen Uniklinikum und Stadtplanungsamt habe bislang nicht stattgefunden. Grundsätzlich könne eine Weiterentwicklung des Bestandes nur in Abstimmung mit der Bauverwaltung erfolgen. Dabei würden auch Klimaschutz- und Klimaanpassungsaspekte berücksichtigt. Ziel sei es, klinische Bedarfe und städtebauliche Anforderungen in Einklang zu bringen.

Zu der Frage nach einer möglichen Verlagerung an den Standort des Zentralklinikums im Westen der Stadt heißt es, langfristig sei der Standort Herdern nach bisherigen Untersuchungen medizinfachlich und betriebsorganisatorisch geeignet für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Klinik sei dort seit Jahrzehnten angesiedelt, zudem bestünden enge funktionale Bezüge zu benachbarten Einrichtungen wie Psychiatrie, Psychosomatik, Hautklinik und Klinikschule. Ein Zusammenhang mit der neuen Kinder- und Jugendklinik im Zentralklinikum bestehe hingegen nicht.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie weise seit Jahren ein erhebliches Flächendefizit von rund 4.100 Quadratmetern auf. Die Auslastung und Zahl der Notfälle seien deutlich gestiegen, die Wartezeiten auf stationäre und tagesklinische Plätze lägen bei über zwölf Monaten. Alternativstandorte im Bereich des Zentralklinikums seien geprüft, jedoch aus betrieblichen, organisatorischen und wirtschaftlichen Gründen verworfen worden. Zudem würden dortige Flächen für andere Großbauprojekte und Auslagerungen benötigt.

Ein konkreter Planungsauftrag für einen Erweiterungsbau liegt laut Schreiben bislang nicht vor. Durch in Aussicht stehende Bundesmittel in Höhe von 40 Millionen Euro bestehe jedoch erstmals eine realistische Finanzierungsperspektive. Im Falle einer konkreten Planung wäre das Vorhaben Gegenstand eines regulären Planungs- und Baurechtsverfahrens, in dem unter anderem Baumbestand, Grünflächenerhalt, Versiegelung und Umweltbelange umfassend geprüft würden.

Einen Leerstand im Gebäude Hauptstraße 8 weist die Stadt zurück. Das Gebäude werde von der Klinikschule sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie vollständig genutzt.

Ob sich die Stadt für eine andere Lösung als eine Bebauung des Parks einsetzen werde, beantwortet das Dezernat zurückhaltend. Die Prüfung von Standortalternativen sei grundsätzlich Teil der Abwägung, könne jedoch erst erfolgen, wenn konkrete Pläne vorlägen. Die Bauverwaltung stehe für die fachliche Begleitung des Projekts zur Verfügung.

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