Studie aus Freiburg zeigt Selbstschutzprogramm von T-Helferzellen bei Dauerstress
Foto:Universitätsklinikum Freiburg
T-Helferzellen, wissenschaftlich als CD4⁺-T-Zellen bezeichnet, übernehmen eine zentrale Rolle im Immunsystem. Sie erkennen Hinweise auf Krankheitserreger, geben Signale an andere Abwehrzellen weiter, unterstützen B-Zellen bei der Antikörperbildung und helfen T-Killerzellen bei der Bekämpfung infizierter Zellen. Forschende des Universitätsklinikums Freiburg haben nun untersucht, wie sich diese wichtigen Immunzellen unter Dauerbelastung bei chronischen Infektionen verändern. Am Beispiel der chronischen Hepatitis C zeigte das Team, dass T-Helferzellen ihr Programm umstellen: Sie dämpfen ihre Abwehrfunktion und sichern dafür ihr eigenes Überleben. Die Ergebnisse wurden am 1. April 2026 in der Fachzeitschrift „Immunity“ veröffentlicht.
„Wir konnten ein Resilienz-Programm unseres Immunsystems aufdecken. T-Helferzellen verlagern ihre Schwerpunkte von maximaler Wirksamkeit hin zur Sicherung des eigenen Überlebens“, sagt Forschungsgruppenleiterin Prof. Dr. Maike Hofmann, die die Studie an der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg gemeinsam mit deren Ärztlichem Direktor Prof. Dr. Robert Thimme und Prof. Dr. Tobias Böttler, Leiter des Gerok-Leberzentrums, geleitet hat. „Das erklärt die eingeschränkte Immunantwort bei chronischen Erkrankungen und eröffnet zugleich neue Ansätze für therapeutische Impfstoffe und Tumortherapien.“
Für die Studie analysierte das Freiburger Forschungsteam spezielle T-Helferzellen aus Blutproben von Patienten nach akuter Infektion, nach spontaner Ausheilung, bei chronischer Hepatitis C und nach therapeutischer Heilung. Mithilfe von Einzelzellanalysen und T-Zell-Rezeptor-Daten zeigte sich, dass sich Arbeitsweise und Eigenschaften der T-Helferzellen während einer chronischen Infektion verändern. Dadurch können sie die Infektion schlechter kontrollieren. Zugleich bleiben sie unter Dauerstress länger erhalten.
Besonders wichtig ist nach Einschätzung der Forschenden, dass diese Anpassung nicht einfach wieder verschwindet. Auch nach erfolgreicher Therapie tragen T-Helferzellen Spuren der langjährigen Belastung. „Die Zellen erinnern sich nicht nur an die frühere Infektion, sondern auch daran, dass sie chronisch verlief“, erklärt Co-Erstautor Matthias Reinscheid. Co-Erstautorin Jill Weißer ergänzt: „Die Zellen bilden ein chronisches Immungedächtnis.“
Die Ergebnisse knüpfen an frühere Arbeiten der Freiburger Wissenschaftler zu T-Killerzellen, den sogenannten CD8⁺-T-Zellen, an und zeigen, wie tiefgreifend chronische Infektionen das Immunsystem prägen. Daraus könnten sich auch klinisch relevante Folgen ergeben. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Betroffene nach einer ausgeheilten chronischen Hepatitis C nicht im gleichen Maß vor einer Reinfektion geschützt sind“, sagt Böttler. „Außerdem lassen sich diese angepassten T-Helferzellen wohl nicht ohne Weiteres wieder zu einer starken Immunantwort anregen.“
Das ist nach Angaben der Forschenden nicht nur für chronische Virusinfektionen, sondern auch für Krebserkrankungen bedeutsam, bei denen Immunzellen über lange Zeit gefordert sind. Im nächsten Schritt soll deshalb untersucht werden, wie gut sich die Beobachtungen auf andere chronische Infektionen und auf Krebs übertragen lassen. Außerdem wollen die Wissenschaftler klären, ob sich die bleibenden Veränderungen der T-Helferzellen gezielt beeinflussen oder teilweise rückgängig machen lassen. Langfristig könnte dieses Wissen helfen, Immunantworten nach chronischen Infektionen gezielt zu stärken und neue Behandlungsansätze für Krebs und chronische Virusinfektionen zu entwickeln.