Fünf Modell-Orte für „Schwarzwald.Dorf.Hotel“ stehen fest
Foto:Schwarzwald Tourismus
Die Schwarzwald Tourismus GmbH hat die Auswahl der Modell-Orte für das Tourismusprojekt „Schwarzwald.Dorf.Hotel. – Albergo Diffuso“ abgeschlossen. Bis Ende 2026 sollen nun fünf Orte bei der Umsetzungsplanung begleitet werden. Ausgewählt wurden Klosterreichenbach als Ortsteil von Baiersbronn im Landkreis Freudenstadt, Nöggenschwiel als Ortsteil von Weilheim im Landkreis Waldshut, Oberharmersbach im Ortenaukreis, Prinzbach als Ortsteil von Biberach im Ortenaukreis sowie Schiltach im Landkreis Rottweil.
Dem Auswahlverfahren waren mehrere Informationsveranstaltungen vor Ort und online vorausgegangen, bei denen das Projekt vorgestellt wurde. Nach Angaben der Schwarzwald Tourismus GmbH war das Interesse in der Ferienregion groß, zahlreiche Orte und lokale Akteure informierten sich und signalisierten Bereitschaft zur Teilnahme. Da das vorab entwickelte Konzept höchstens fünf Modell-Orte vorsah, musste eine Auswahl getroffen werden. Die Bewerber-Orte wurden inzwischen über die Entscheidung informiert.
Die fünf ausgewählten Orte sollen bis Ende 2026 umfassend und kostenfrei beraten und moderiert werden. Vorgesehen sind Online-Sondierungsgespräche sowie mehrere Workshops vor Ort und digital. Die fachliche Begleitung übernehmen die Schwarzwald Tourismus GmbH und die Agentur co:compass. Der Prozess gliedert sich in mehrere Phasen, darunter Analyse, Kick-off, Entwicklung, Reflexion, Vernetzung und Umsetzungsplanung.
Parallel dazu sollen die Modell-Orte eigenständig an wichtigen Aufgaben arbeiten. Dazu gehören der Aufbau lokaler Akteurs-Netzwerke, die Entwicklung eines Zielbilds und eines konkreten Projektplans sowie erste Lösungsansätze. Ziel ist es, für jeden Ort einen maßgeschneiderten Umsetzungsplan mit konkreten Maßnahmen, Zuständigkeiten sowie Zeit- und Kostenschätzungen zu erarbeiten.
Mit dem Projekt „Schwarzwald.Dorf.Hotel. – Albergo Diffuso“ erprobt die Schwarzwald Tourismus GmbH seit dem 1. September 2025 neue Wege zur Belebung von Ortskernen, zur Stärkung regionaler Baukultur und zur Weiterentwicklung der Gastgeberlandschaft. Gefördert wird das Vorhaben durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg.
Im Mittelpunkt steht das Konzept des „Albergo Diffuso“, eines in Italien und der Schweiz etablierten Modells eines verstreuten Hotels. Dabei werden bestehende, teils leerstehende Gebäude in einem Ort zu einem dezentralen Hotel zusammengeführt. Gäste übernachten in authentischen, im Dorf verteilten Unterkünften, während zentrale Funktionen gemeinschaftlich genutzt werden. Der Dorfplatz kann dabei zur Lobby, die örtliche Gastronomie zum Frühstücksraum und die Einheimischen zu Gastgebern werden.
Heide Glasstetter, Projektverantwortliche und Bereichsleiterin Innenmarketing bei der Schwarzwald Tourismus GmbH, betont, dass das italienische Modell als Grundlage diene, nun aber an einer Schwarzwälder Variante gearbeitet werde. Anders als in Italien gebe es in der Ferienregion keine verlassenen Bergdörfer, sondern grundsätzlich gut aufgestellte kleinere Tourismusorte, die jedoch vor strukturellen Herausforderungen stünden. Diese wolle man im Rahmen des Projekts aktiv und individuell begleiten, um den Tourismus vor Ort nachhaltig und zukunftssicher aufzustellen.
Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen bietet das Konzept gerade für ländliche Gemeinden im Schwarzwald neue Perspektiven. Angesichts von Herausforderungen wie rückläufigem Tourismus, Leerstand, Investitionsstau und dem Verlust an Lebendigkeit in den Ortskernen könne das Modell dazu beitragen, bestehende Bausubstanz zu revitalisieren, die regionale Wertschöpfung zu stärken, lokale Netzwerke zu fördern und die Lebens- und Aufenthaltsqualität nachhaltig zu verbessern.