Kakao, Zement und Widerstand: Ausstellung im Museum Natur und Mensch zeigt globale Verflechtungen

Im Museum Natur und Mensch startet die Ausstellung „Voll unfair!“ mit Blick auf Kakao- und Zementproduktion. Im Mittelpunkt stehen Ausbeutung, Widerstand und die Rolle von Frauen.

[FREIBURG IM BREISGAU]

Im Museum Natur und Mensch ist ab dem morgigen Mittwoch, 20. Mai 2026, die Ausstellung „Voll unfair!“ zu sehen. Die Schau der Ethnologischen Sammlung richtet den Blick auf zwei sehr unterschiedliche Produkte: Kakao und Zement. Beide stehen dabei für globale Produktionsketten, soziale Konflikte und die Frage nach fairen Bedingungen.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 3. Januar 2027. Sie verbindet künstlerische Arbeiten mit gesellschaftlichen und ökologischen Themen und stellt Frauen als zentrale Akteurinnen in den Mittelpunkt. Im Fokus stehen Ausbeutung, Widerstand und die Hoffnung auf Veränderungen.

Der aus Ecuador stammende und in Freiburg lebende Künstler Marcello Martinez Vega zeigt in seiner Installation „el Pais del Cacao“ die Kakao-Produktion in Ecuador. Kakao ist dort nicht nur ein wichtiges Exportprodukt, sondern auch ein Kulturgut mit spiritueller Bedeutung. Martinez Vega verknüpft historische und aktuelle Perspektiven auf Anbau, Verarbeitung und Vermarktung. Für seine Arbeit kooperiert er mit dem Projekt „Mashpi Chocolate“ im Nebelwaldgebiet des Anden-Chocó. Dort wird Kakao in Agroforstsystemen angebaut, was Böden und Biodiversität schont. Zugleich stärken Frauenkooperativen die wirtschaftliche Unabhängigkeit vor Ort.

Den zweiten Ausstellungsraum hat die Wissenschaftlerin und Künstlerin Dewi Candraningrum aus Java, Indonesien, gestaltet. Sie beschäftigt sich mit dem Kalksteinabbau im Kendeng-Gebirge und den Folgen für die Bevölkerung. Im Mittelpunkt steht der Widerstand von Frauen, die sich gegen die Zerstörung ihres Lebensraums wehren. Das Kendeng-Gebirge ist eine Karstlandschaft mit unterirdischen Wasserreservoirs und Höhlensystemen. Der Abbau von Kalkstein für die Zementproduktion gefährdet diese Wassersysteme, von denen viele Dörfer und landwirtschaftliche Flächen abhängen. Seit den 2010er-Jahren kommt es dort immer wieder zu Konflikten mit lokalen Gemeinden. Bekannt wurden vor allem die Proteste der sogenannten „Kartinis von Kendeng“.

Das Museum Natur und Mensch hat beide Räume von den Künstlern selbst kuratieren lassen. Damit will das Haus Perspektiven aus den Herkunftsregionen stärken und eine dekoloniale Ausstellungspraxis erproben.

Ein dritter Raum des Museums- und Vermittlungsteams ergänzt die Ausstellung mit Fragen zu Herkunft und Herstellung von Konsumgütern. Dort geht es um Umweltschutz, faire Arbeitsbedingungen und die Verantwortung in Freiburg. Eine Scan-Station informiert über Ursprung und Produktionswege typischer Supermarktprodukte wie Schokocreme, Thunfisch oder Obstkonserven. Malvorlagen, eine Leseecke und eine Diskussionswand laden zum Nachfragen und Mitreden ein. Der Raum vertieft die Themen der Sonderausstellung und gibt auch Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen des Museums.

Begleitend zur Ausstellung gibt es Workshops zur Schokoladenherstellung und Kakaozeremonie, eine Exkursion in den Botanischen Garten, einen Vortrag über den Protest im Kendeng-Gebirge sowie eine Diskussionsrunde zur Rolle von Frauen in sozialen Bewegungen. Weitere Informationen stehen unter www.museen.freiburg.de/mnm.

Das Museum Natur und Mensch ist dienstags von 10 bis 19 Uhr sowie mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 27 Jahren, Mitglieder des Freundeskreises, Inhaber des Freiburg-Passes, der Familien-Card oder des Museums-Pass-Musées ist der Eintritt frei.

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Freiburg im Breisgau

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