Neue Versuchsanlage verbindet Solarstrom und Landwirtschaft
Auf dem Gelände der Technischen Fakultät der Universität Freiburg ist am Mittwoch, 20. Mai 2026, eine Agri-Photovoltaik-Versuchsanlage eingeweiht worden. Sie soll wissenschaftliche Erkenntnisse liefern und zugleich Neugier für ein energiewirtschaftliches Zukunftsthema wecken. Hinter dem Projekt steht eine interdisziplinäre Gruppe von Forschern der Universität Freiburg und des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.
Agri-Photovoltaik, kurz Agri-PV, verbindet landwirtschaftliche Produktion mit der Erzeugung von Solarstrom. Vor dem Hintergrund knapper Flächen und der Herausforderungen der Energiewende gilt die Technologie als vielversprechender Ansatz für die Energieversorgung der Zukunft. An der Universität Freiburg hat sich im Oktober 2025 eine interdisziplinäre Forschergruppe zum Thema Agri-PV gebildet. Sie wird vom Freiburg Institute for Advanced Studies bis Dezember 2026 mit 35000 Euro gefördert.
Die FRIAS-Projektgruppe Agri-PV besteht aus Vertretern der Biologie, Informatik, Ingenieurwissenschaft, Forstwissenschaft und Ökonomie und arbeitet mit Forschern des Fraunhofer ISE zusammen.
„Besonders wertvoll an dieser Projektgruppe ist, dass Universität Freiburg und Fraunhofer ISE ihre Kompetenzen gezielt verbinden. Fraunhofer ISE liefert die anwendungsnahe Forschung, PV-Modultechnologien und langjährige Erfahrung im Bereich Agri-PV, die Universität die Grundlagenforschung aus verschiedenen Disziplinen. Gemeinsam können wir neue technologische Lösungen entwickeln, die Prozesse im Pflanzenwachstum genauer erklären und die Einbindung von Agri-PV in politische und soziale Rahmenbedingungen besser verstehen“, sagte der Sprecher der FRIAS-Projektgruppe, Prof. Dr. Tim Krieger, bei der Einweihung.
Die Versuchsanlage wurde vom Zentrum für Erneuerbare Energien der Universität Freiburg entwickelt. Dessen Leiter Prof. Dr. Moritz Diehl ist ebenfalls Mitglied der FRIAS-Projektgruppe. In der Anlage sollen zwischen den Photovoltaik-Modulen zunächst Erdbeeren auf Hochbeeten wachsen, während darüber zugleich Strom erzeugt wird.
Sensoren erfassen unter anderem Lichtverfügbarkeit, Lufttemperatur, Bodenfeuchte und Luftfeuchtigkeit. Die Werte werden mit einer unverschatteten Referenzfläche verglichen.
„Die Versuchsanlage dient nicht nur als Forschungsinstrument, sondern auch als Blickfang, der das Thema für Studierende und Besucher*innen greifbar machen soll“, sagt Diehl. Die vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft verlange weiterhin einen großen Zubau an Photovoltaik-Anlagen. Noch sei aber nicht genau bekannt, wie dies möglichst schonend für die Landschaft gelingen könne.
Diehl verbindet mit dem Projekt die Hoffnung, in Freiburg in den kommenden Jahren verschiedene neue Agri-PV-Systeme als Demonstratoren aufzubauen. Diese sollen Ästhetik, Ökologie, netzdienliche Stromerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung auf unterschiedliche Weise verbinden und der Gesellschaft helfen, akzeptierte Wege zur nachhaltigen Energieerzeugung zu finden.
Mit dem Förderprogramm „FRIAS Projektgruppen“ stärkt das Freiburg Institute for Advanced Studies die interdisziplinäre Zusammenarbeit an der Universität Freiburg. Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen werden dabei zusammengebracht, um zukunftsweisende Forschungsideen in einem frühen Stadium zu entwickeln.
Die Idee der Agri-Photovoltaik geht auf den Physiker Adolf Goetzberger zurück, der Anfang der 1980er Jahre am Fraunhofer ISE forschte. In seinem Aufsatz „Kartoffeln unter dem Kollektor“ arbeitete er erstmals die Idee aus, Solarkollektoren so über Ackerflächen anzuordnen, dass darunter weiterhin Landwirtschaft betrieben werden kann. Die Erforschung von Agri-PV nahm vor allem in den 2010er Jahren stark zu. Ein wichtiger Schritt war die Veröffentlichung der deutschen Vornorm DIN SPEC 91434 im Jahr 2021. Sie definiert genauer, was als Agri-PV-Anlage gelten kann. Entscheidend ist unter anderem, dass auf der Fläche nach dem Bau der Anlage mindestens 66 Prozent des landwirtschaftlichen Ertrags erzielt werden, der ohne zusätzliche Energiegewinnung möglich wäre.