Zukunftsstrategie für den Hochschwarzwald: Tourismusregion stellt Weichen für das ganze Jahr

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Ortsplan Hochschwarzwald – Grafik: Hochschwarzwald Tourismus GmbH)

Wie kann der Hochschwarzwald den Wandel vom stark saisonabhängigen Tourismus hin zu einem schneeunabhängigen Ganzjahresziel schaffen, ohne dabei Ortsbilder und Landschaft zu überformen? Mit dieser Leitfrage ist der von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH initiierte „Prozess zur Zukunftsstrategie Hochschwarzwald“ gestartet. Ende November fand dazu unter dem Motto „Wie können wir gemeinsam Zukunft gestalten“ der erste digitale „Zukunfts-Espresso“ statt, zu dem die Ortsvorsteher der 21 Mitgliedsgemeinden eingeladen waren. Gemeinsam mit Geschäftsführer Patrick Schreib und Mitarbeitenden der Hochschwarzwald Tourismus GmbH diskutierten sie zentrale Zukunftsfragen für die Region mit ihren 21 Orten, rund 90.000 Einwohnern und etwa 17.000 Gästebetten.

Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Stärkung der einzelnen Orte in ihren jeweiligen Qualitäten. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Was zeichnet einen „guten Ort“ aus, warum fühlen sich Menschen dort wohl, welche Stärken und Identitäten haben die Gemeinden und wo gibt es Defizite, die angegangen werden müssen. Im Rahmen des Prozesses ist deshalb eine gemeinsame Reise durch alle 21 Gemeinden geplant, bei der Ortsprofile und -potenziale in den Blick genommen und Gespräche mit Einheimischen geführt werden. Damit soll deutlich werden, dass Tourismusentwicklung nicht isoliert betrachtet wird, sondern stets Teil von Lebensqualität, Ortsgestaltung und Gemeinschaftsentwicklung ist.

Bei der Konferenz machte Patrick Schreib deutlich, dass die touristische Nachfrage neben den naturräumlichen Potenzialen wesentlich vom sogenannten abgeleiteten Angebot abhängt. Dazu zählen etwa Bettenkapazitäten nach Umfang, Qualität und Zielgruppen, aber auch Freizeitangebote und Sehenswürdigkeiten mit klaren Alleinstellungsmerkmalen und ausreichenden Kapazitäten in allen Jahreszeiten. „Das abgeleitete Angebot ist da, wo Wertschöpfung entsteht“, betonte der Geschäftsführer.

Der Prozess bewegt sich im Spannungsfeld zwischen einer gemeinsamen regionalen Identität im Sinne von „Wir sind der Hochschwarzwald“ und sehr unterschiedlichen lokalen Ausgangslagen, Interessen und finanziellen Möglichkeiten. Eingeschränkte Budgets, fehlende Infrastruktur und ungleiche Entwicklungschancen erschweren vielerorts Investitionen. Ein gemeinsames Zukunftsverständnis soll helfen, eine verbindende Strategie zu formulieren. Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH sieht sich dabei als Bindeglied, das Kompetenzen bündelt. Die Vision ist ein gemeinsamer „Infrastrukturtopf“ pro Jahr, aus dem Projekte auf Basis eines regional abgestimmten Investitionsplans finanziert werden können.

Moderiert wurde die digitale Auftaktveranstaltung von der österreichischen Kreativagentur nonconform. Mitbegründer Roland Gruber gab Einblicke in seine Arbeit an der Schnittstelle von Architektur, Lokalpolitik und Kulturmanagement und zeigte Beispiele, wie Brachflächen oder leerstehende Gebäude zu neuen Orten der Begegnung umgestaltet wurden. „Manchmal braucht es nicht viel, genügt schon eine kleine künstlerische Intervention, um einen Platz oder ein Gebäude aufzuwerten und den Ort (wieder) lebenswert zu machen“, so Gruber. Passend zum partizipativen Ansatz waren die Teilnehmenden aufgefordert, sich aktiv einzubringen und Erwartungen an das Projekt zu formulieren.

Nach rund 90 Minuten intensivem Austausch verabschiedeten sich die Beteiligten mit vielen Impulsen aus dem digitalen Raum. Weiter geht es im Januar 2026 mit einem zweiten „Zukunfts-Espresso“, im April folgt die gemeinsame Reise der Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher, im Sommer 2026 eine Klausur. Die Präsentation der Ergebnisse ist für Ende 2026 vorgesehen. Gefördert wird das Projekt über das LEADER-Programm der Europäischen Union, das darauf zielt, ländliche Regionen gemeinsam mit Bürgern, Wirtschaft, Sozialpartnern und Kommunalpolitik zukunftsfähig zu gestalten.

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