DFG fördert drei neue Forschungsgruppen in Freiburg
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert drei neue Forschungsgruppen mit Beteiligung der Universität Freiburg für zunächst vier Jahre. Bewilligt wurden die Forschungsgruppe FOR6051 „Das Interstitium – ein Schlüssel der Herzfunktion“ sowie die Forschungsgruppe FOR5898 „AdBHealth“ zur Erforschung von Adenoviren mit jeweils 5,7 Millionen Euro. Im ebenfalls bewilligten Forschungsverbund FOR6006 „DELight“ entwickeln Forscher aus Freiburg, Heidelberg und Karlsruhe ein neuartiges Experiment zur Suche nach sogenannter leichter Dunkler Materie. Dieses Projekt wird von der Universität Heidelberg koordiniert und mit insgesamt 5,3 Millionen Euro gefördert, davon gehen 1,2 Millionen Euro an die Universität Freiburg.
„Dass die DFG gleich zwei neue Forschungsgruppen unter Freiburger Leitung bewilligt, ist ein herausragender Erfolg und ein starkes Zeichen für die Leistungsfähigkeit unserer Forschung“, sagt Prof. Dr. Lutz Hein, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. „Die Themen reichen von zentralen Mechanismen der Herzfunktion bis zu Viren, die für Erkrankungen ebenso relevant sind wie für moderne Impfstoffe und Gentherapien.“
Die Forschungsgruppe FOR6051 widmet sich dem Interstitium des Herzens, also dem Gewebe zwischen den Herzmuskelzellen. Dieses Gewebe habe in der Forschung bislang deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als Herzmuskelzellen, Blutgefäße oder das Nervensystem, verbinde aber Zellen, Gefäße und Nerven miteinander und präge damit, wie das Herz elektrisch und mechanisch arbeitet. Ziel ist es, die Rolle dieses Gewebes für die Herzfunktion besser zu verstehen und daraus neue Ansätze für den Erhalt der Herzleistung abzuleiten, etwa nach einem Herzinfarkt.
„Das Gewebe zwischen den Herzmuskelzellen ist für die Arbeit des Herzens weit wichtiger, als bisher angenommen. Wir wollen verstehen, wie es Herzmuskelzellen, Blutgefäße und Nervensystem verbindet und dabei die Herzfunktion mitprägt. Daraus sollen neue Impulse für die Herzmedizin entstehen“, sagt Prof. Dr. Peter Kohl, Sprecher der Forschungsgruppe und Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin am Universitätsklinikum Freiburg. „Ich freue mich besonders, dass unser Forschungsvorhaben die von der DFG eingesetzten unabhängigen Gutachtenden so deutlich überzeugt hat. Sie bewerten unseren Ansatz als innovativ und trauen ihm zu, die Herzforschung grundlegend zu verändern. Alle Teilprojekte der Forschungsgruppe wurden zudem von den Gutachtenden als zur internationalen Spitze gehörend eingestuft.“
Die Forschungsgruppe FOR5898 „AdBHealth“ richtet ihren Fokus auf Adenoviren. Diese Viren können Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen verursachen und bei immungeschwächten Patienten schwere Verläufe auslösen. Gleichzeitig werden sie in der modernen Medizin als Trägersysteme für Impfstoffe und Gentherapien genutzt. Die Freiburger Forschungsgruppe möchte deshalb genauer untersuchen, wie Adenoviren in Zellen eindringen, sich vermehren und wie Immunsystem und Blutbestandteile auf sie reagieren. Dafür sollen moderne 3D-Gewebemodelle eingesetzt werden, die menschliche Atemwege und Schleimhäute realitätsnah nachbilden.
„Adenoviren sind für uns aus zwei Gründen wichtig: als mögliche Krankheitserreger und als Werkzeug in der Medizin. Unser Ziel ist es, ihre Wechselwirkungen mit dem Körper so genau zu verstehen, dass daraus sowohl neue Ansätze gegen Infektionen als auch sicherere Anwendungen für Impfstoffe und Gentherapien entstehen“, sagt Prof. Dr. Sabrina Schreiner, Sprecherin der Forschungsgruppe und Professorin am Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg.
Im Forschungsverbund FOR6006 „DELight“ suchen Forscher nach Teilchen der sogenannten leichten Dunklen Materie. Diese Form der Materie ist nicht sichtbar, könnte nach aktuellem Forschungsstand aber bis zu 85 Prozent der Materie im Universum ausmachen. Für das Projekt soll ein neues Detektorkonzept mit ultrakaltem, supraflüssigem Helium entwickelt werden. Aufgrund des geringen Gewichts der Helium-Atome eignet es sich besonders gut für die Suche nach sehr leichten Teilchen. Quantensensoren sollen dabei winzige Energiemengen nachweisen, wie sie durch Stöße von Dunkler Materie mit Heliumkernen entstehen könnten.
An dem Projekt arbeiten sechs Forschungsteams aus Freiburg, Heidelberg und Karlsruhe zusammen. Sprecherin der Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Belina von Krosigk von der Universität Heidelberg. In Freiburg sollen mit hochempfindlichen Messgeräten Materialien für den Aufbau des Experiments identifiziert werden, um Störsignale durch natürliche Radioaktivität möglichst weit zu unterdrücken. Das Experiment selbst soll in einem unterirdischen Labor in der Schweiz aufgebaut und zusätzlich mit Blei und Kupfer abgeschirmt werden.
„Mit unseren empfindlichen Messgeräten und unserer großen Erfahrung bei der Abschirmung von Strahlung sorgen wir dafür, dass aus einem Helium-Detektor das derzeit beste Dunkle-Materie-Experiment in diesem Massenbereich wird“, sagt Prof. Dr. Marc Schumann, Professor für experimentelle Astroteilchenphysik an der Universität Freiburg.