Dreiseenbahn feiert 100-jähriges Bestehen
Foto:Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Die Dreiseenbahn im Hochschwarzwald wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Die Bahnstrecke zwischen Titisee und Seebrugg gilt als wichtiges Zeugnis der Mobilitätsentwicklung, des wirtschaftlichen Wandels und der touristischen Infrastruktur in der Region. Reisende, die das Flair früherer Zeiten erleben möchten, können vom 19. Juli bis 13. September 2026 wieder in den historischen Museumszug einsteigen, der an den Wochenenden verkehrt. Das historische Bahnhofsfest findet am 15. und 16. August 2026 auf dem Bahnhofsgelände in Seebrugg statt.
Titisee, Windgfällweiher und Schluchsee geben der geschichtsträchtigen Bahnstrecke ihren Namen. Die Planungen für die Dreiseenbahn begannen bereits 1908. Ursprünglich sollte sie als Zubringerlinie von Villingen zur Hochrheinbahn dienen. Wegen des Ersten Weltkriegs und der damit verbundenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen zogen sich die Bauarbeiten jedoch in die Länge. Im Volksmund erhielt die Strecke deshalb den Namen „Ewigkeitsbahn“. Am 2. Dezember 1926 wurde die Nebenbahn schließlich eröffnet.
Zum hundertjährigen Schienenjubiläum ist am historischen Datum, 2. Dezember 2026, eine Bilderreise im Kurhaus Schluchsee geplant. Für 2027 sind zahlreiche Veranstaltungen sowie die Eröffnung des Museumsbahnhofs Seebrugg vorgesehen.
Museumszug und historischer Bahnhof
Wer in Titisee einsteigt und mit der historischen Museumsbahn, der „Donnerbüchse“, bis zum Bahnhof Seebrugg fährt, kann den nostalgischen Charme einer Reise in die Vergangenheit erleben. Dazu trägt auch das Zugpersonal in historischen Uniformen bei, das die Fahrkarten ausstellt. Besonders zwischen den Jahren bietet die Fahrt mit der Dampflokomotive vor der winterlichen Kulisse des Hochschwarzwalds ein besonderes Bild.
Möglich machen diese Fahrten die Mitarbeitenden und Vereinsmitglieder der IG 3-Seenbahn. Der Verein wurde vor 18 Jahren von Jens Reichelt ins Leben gerufen. Seit 2008 setzt er sich dafür ein, den historischen Bahnhof Seebrugg zu erhalten, Museumszüge auf die Strecke zu bringen und ein Museum zu entwickeln, das die Geschichte der Region zwischen Eisenbahn, Alltag und Tourismus lebendig macht.
Ausgangspunkt des Projekts ist der historische Bahnhof Seebrugg. Er ist als Bahnhof aus Reichsbahnzeiten nahezu vollständig erhalten, mit Bahnhofsgebäude, Güterschuppen, Gleisanlagen, Rampen, Lokschuppen und weiteren Anlagen. Für Reichelt, der aus dem Ruhrgebiet stammt und nach dem Studium in den Hochschwarzwald zog, war früh klar, dass der Ort Potenzial hat – nicht nur für Museumsfahrten, sondern auch als Erinnerungs- und Erlebnisort für die gesamte Region.
„Ohne Mobilität kein Urlaub“, sagt der Gründer der IG 3-Seenbahn. Gerade im Hochschwarzwald habe die Eisenbahn wesentlich dazu beigetragen, dass sich Wirtschaft und Tourismus entwickeln konnten. Vor dem Siegeszug des Autos kamen Urlauber überwiegend mit der Bahn in die Region. Zugleich war die Bahn ein wichtiger Faktor für Güterverkehr, Handwerk, Holz- und Landwirtschaft. Bis in die 1970er-Jahre hinein kam zudem ein großer Teil der Post auf der Schiene zu den Menschen im Hochschwarzwald.
Zeitreisebahnhof Seebrugg soll Geschichte erlebbar machen
Das von Reichelt geplante Museum, das die historischen Zugfahrten ab dem kommenden Jahr ergänzen soll, greift diese Entwicklung auf. Im Mittelpunkt stehen der gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Strukturwandel nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre.
Für die touristische Infrastruktur im Hochschwarzwald sieht Reichelt in dem geplanten Freilichtmuseum am historischen Bahnhof Seebrugg eine zukunftsfähige Ergänzung. Wetterunabhängige und ganzjährig nutzbare Angebote würden angesichts des Klimawandels und schneeärmerer Winter immer wichtiger. Das Projekt könne deshalb ein weiterer Baustein für eine vielfältige, familienfreundliche und stabile Freizeit- und Erlebnislandschaft in der Region sein.
Getragen wird das Vorhaben von langjährigem ehrenamtlichem Engagement, politischer Unterstützung und Kooperationen in der Region. Seit den ersten Fahrten im Jahr 2008 habe sich die Wahrnehmung deutlich verändert, berichtet Reichelt. Aus anfänglicher Skepsis sei Anerkennung geworden – für gepflegte Anlagen, volle Züge, wachsende Veranstaltungen und ein Projekt, das viele Akteure im Hochschwarzwald verbindet.
„Diese Eisenbahn ist die Eisenbahn der Region und ihrer Menschen“, sagt Jens Reichelt. Dieses Selbstverständnis prägt nach Angaben der IG 3-Seenbahn die Arbeit rund um die Dreiseenbahn. Sie bewahre Geschichte, schaffe Erlebnisse und zeige, wie eng Mobilität, Tourismus und regionale Identität miteinander verbunden seien.
In Seebrugg entsteht mit dem „Zeitreisebahnhof Seebrugg“ ein deutschlandweit einzigartiges Freilichtmuseum zur Sozial-, Verkehrs-, Wirtschafts- und Technikgeschichte der Jahre 1945 bis 1965. Ziel ist es, den Wandel von der Nachkriegszeit zur Wirtschaftswunderzeit authentisch und lebendig zu vermitteln. Das Projekt soll Familien, Schulklassen, Geschichts- und Technikinteressierte sowie Touristen gleichermaßen ansprechen.
Der Museumszug verkehrt vom 19. Juli bis 13. September 2026 an jedem Sonntag sowie an drei Sonnabenden, 8., 15. und 22. August 2026. Abfahrtszeiten und Ticketpreise gibt es unter 3Seenbahn.de. Das historische Bahnhofsfest findet am 15. und 16. August statt. Weitere Veranstaltungen im Jahr 2027 sowie aktuelle Informationen zum geplanten Freilichtmuseum sind ebenfalls unter 3Seenbahn.de zu finden.