IHK sieht Verpackungssteuer in Freiburg kritisch
Rund 100 Tage nach Einführung der Verpackungssteuer in Freiburg zieht die IHK Südlicher Oberrhein eine kritische Zwischenbilanz. Nach einer Umfrage unter 107 Mitgliedsunternehmen, überwiegend aus Gastronomie und Einzelhandel, sorgt die seit 1. Januar 2026 geltende Regelung in vielen Betrieben für wirtschaftliche Einbußen, mehr Aufwand und zusätzliche Konflikte im Alltag.
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen nach Angaben der IHK im To-go-Geschäft. Viele Betriebe berichten von rückläufigen Umsätzen bei Kaffee und anderen Heißgetränken zum Mitnehmen, bei warmen Speisen sowie bei einwegverpackten Mitnahmeartikeln. Vor allem der klassische Unterwegs-Konsum habe spürbar nachgelassen. Nach Einschätzung der IHK überlegen sich viele Kunden den Kauf inzwischen zweimal oder verzichten ganz auf To-go-Angebote.
Zugleich steigt nach Angaben der Unternehmen der Arbeitsaufwand deutlich. Ein Großteil der befragten Betriebe berichtet von zusätzlichem Zeitbedarf im täglichen Geschäft. Als Gründe werden vor allem mehr Erklärungsbedarf gegenüber Kunden, kompliziertere Abläufe an der Verkaufstheke und zusätzlicher Verwaltungsaufwand genannt. Gerade in Stoßzeiten bringe dies manche Betriebe an ihre Grenzen.
Auch im direkten Kontakt mit den Kunden sorgt die Verpackungssteuer offenbar immer wieder für Spannungen. Viele Unternehmen berichten von regelmäßigen Diskussionen an der Kasse. Nach Darstellung der IHK gehören verärgerte Reaktionen oder Konflikte über die zusätzlichen Kosten inzwischen in zahlreichen Betrieben zum Alltag. Teilweise hätten Unternehmen sogar einzelne Produkte aus dem Sortiment genommen, um ständige Auseinandersetzungen zu vermeiden.
Ein zentrales Ziel der Verpackungssteuer, nämlich der verstärkte Umstieg auf Mehrweg, wird nach Einschätzung der IHK bislang nur eingeschränkt erreicht. Die große Mehrheit der befragten Unternehmen gibt an, dass Einwegverpackungen weiterhin bevorzugt werden. Nur ein kleinerer Teil der Betriebe beobachtet eine gestiegene Nachfrage nach Mehrweg-Angeboten.
Christina Gehri, Leiterin des Fachbereichs Standort und Branchen der IHK Südlicher Oberrhein, sieht sich durch die Umfrage in den bisherigen Bedenken bestätigt. Aus ihrer Sicht belaste die Verpackungssteuer die Unternehmen erheblich, sowohl wirtschaftlich als auch organisatorisch. Sie verweist zudem auf einen weiteren Nebeneffekt: Immer wieder komme es vor, dass Kunden Waren an der Kasse stehen ließen, weil sie die Verpackungssteuer nicht bezahlen wollten. Dadurch entstehe Verpackungsmüll, Ware müsse entsorgt werden und den Betrieben gingen Umsätze verloren.
Die Umfrage wurde im April 2026 unter Mitgliedsunternehmen der IHK Südlicher Oberrhein durchgeführt. Insgesamt wertete die Kammer 107 vollständig ausgefüllte Fragebögen aus.