Literarische Wanderungen im Schwarzwald führen auf den Spuren großer Autoren durch die Region

[REGION]

Die Schwarzwald Tourismus GmbH macht auf literarische Wanderungen und Entdeckertipps aufmerksam, die 2026 durch die Ferienregion führen. Im Mittelpunkt stehen Orte, Landschaften und Wege, die mit bekannten Schriftstellern und Dichtern verbunden sind. Anlass ist unter anderem der 200. Geburtstag von Joseph Victor von Scheffel, dessen Werk „Der Trompeter von Säckingen“ weit über den Schwarzwald hinaus bekannt wurde. Die Region verweist zugleich auf zahlreiche weitere Autoren, deren Leben und Schreiben eng mit dem Schwarzwald verbunden sind. Weitere Informationen gibt es unter www.kultur-schwarzwald.info.

In Bollschweil steht Marie Luise Kaschnitz im Mittelpunkt. Die 1901 in Karlsruhe geborene Schriftstellerin hielt sich immer wieder im elterlichen Schloss Bollschweil auf. Ihre Erzählung „Beschreibung eines Dorfes“ aus dem Jahr 1966 gilt als literarische Annäherung an Landschaft und Menschen des Ortes. Wer Bollschweil heute erkundet, kann mit einem online verfügbaren Leitfaden und einer Karte verschiedene Schauplätze dieser Erzählung aufsuchen. Dazu gehören stille Gassen, das Schloss und weitere prägende Orte. Ergänzend werden das Kaschnitz-Zimmer im Rathaus und der Gedenkstein auf dem Friedhof genannt. Informationen dazu finden sich unter www.bollschweil.de.

Auch Hermann Hesse ist mit dem Schwarzwald eng verbunden. In Calw führt ein rund drei Kilometer langer Rundgang durch die historische Altstadt und zu Stationen, die mit dem Leben des Nobelpreisträgers verknüpft sind. Über den Marktplatz, an Hesses Geburtshaus vorbei, über die Nikolausbrücke und durch enge Gassen lassen sich Schauplätze entdecken, die in Werken wie „Unterm Rad“ oder den „Gerbersauer Geschichten“ wiederkehren. Mit dem Flyer „Literarischer Streifzug“ können Besucher den Spuren des Schriftstellers folgen. Zudem wird in Calw vom 2. Juli bis 9. August 2026 der „Gerbersauer Lesesommer“ mit musikalisch begleiteten Lesungen veranstaltet. Nähere Informationen gibt es unter www.calw.de/kultur/hermann-hesse.

Ein weiterer Hesse-Schwerpunkt liegt 2026 in Riegel am Kaiserstuhl. In der Kunsthalle Messmer ist vom 21. März bis 11. Oktober 2026 die Ausstellung „Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch“ zu sehen. Gezeigt werden nach Angaben der Tourismusgesellschaft rund 130 Aquarelle, Tusche- und Federzeichnungen, Typoskripte von Gedichten, illustrierte Briefe, Erstausgaben und Fotografien. Die Ausstellung soll Hesses literarisches und bildnerisches Schaffen in einen Dialog bringen und seine großen Themen wie Aufbruch, Erneuerung und Identitätssuche sichtbar machen. Mehr dazu unter www.kunsthallemessmer.de.

Besondere Aufmerksamkeit gilt 2026 Joseph Victor von Scheffel. In Bad Säckingen führt eine rund sechs Kilometer lange Rundtour von der Innenstadt durch die historische Lindenallee bis hinauf zum Bergsee. Dort erinnert der Scheffelfelsen an den Dichter, der dem früheren Schwarzsee seinen heutigen Namen gab. Wer die Tour erweitern möchte, kann den Schlosspark mit Scheffelbüste, Trompeter-Brunnen und der Büste des Katers Hiddigeigei besuchen. Neben Themenführungen mit Trompetenklängen gibt es drei Kater-Kinder-Stadt-Rallyes. Außerdem wird im Hochrheinmuseum Schloss Schönau vom 1. April bis 1. November 2026 eine Ausstellung zu Scheffels 200. Geburtstag gezeigt. Informationen dazu stehen unter www.badsaeckingen.de/scheffel.

In Nagold führt der rund acht Kilometer lange Mörike-Wanderweg auf die Spuren des schwäbischen Dichters Eduard Mörike. Der Weg beginnt an der historischen Stadtkirche und führt hinaus in die Natur. Acht Wegtafeln vermitteln biografische und literarische Hintergründe. Weite Wiesenflächen, das sogenannte Kuhloch und schließlich der Zeller-Mörike-Garten bilden Stationen dieser Route. Dort wird an Mörikes Aufenthalte in Nagold erinnert. Auch das „Museum im Steinhaus“ greift diese Verbindung in einer Dauerausstellung auf. Informationen finden sich unter www.mein-schwarzwald.de.

Grimmelshausen ist mit dem Genießerpfad „Wiesensteig“ in Bad Peterstal-Griesbach präsent. Der etwa 13,5 Kilometer lange Weg führt durch das Tal der wilden Rench, vorbei an Bergwiesen, Bächen und Aussichtspunkten. Rastplätze, Himmelsbänke, Getränkebrunnen und Einkehrmöglichkeiten sollen die Tour ergänzen. In dieser Region wirkte Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, und einige Episoden seines Romans „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ spielen hier. Auch Renchen mit dem „Simplicissimus-Haus“ sowie Oberkirch im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg werden in diesem Zusammenhang genannt. Weitere Informationen gibt es unter www.nationalparkregion-schwarzwald.de und www.heimattage2026.de.

Familien richtet sich das Angebot in Bad Wildbad zu, wo Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ auf einem rund drei Kilometer langen Märchenweg lebendig werden soll. Auf dem Sommerberg begleiten Hörspiele an zehn Stationen die Geschichte von Peter Munk, dem Glasmännlein und dem Holländer-Michel. Zugleich vermitteln sie Wissenswertes über Schwarzwälder Traditionen wie Flößerei, Glasmacherei und Köhlerei. Ausgangs- und Endpunkt ist der Turm des Baumwipfelpfads. Ergänzend werden die nahe gelegene Wildline-Hängebrücke, die Ausstellung im Schloss Neuenbürg und Hauffs Märchenmuseum in Baiersbronn genannt. Informationen dazu stehen unter www.bad-wildbad.de.

Ein besonders markanter literarischer Weg ist der Hebel-Wanderweg. Johann Peter Hebel, der als bedeutendster alemannischer Mundartdichter gilt, hat mit seinen Erinnerungen an Basel und das Wiesental zahlreiche Texte geprägt. Der insgesamt 60 Kilometer lange Hebel-Wanderweg orientiert sich an seinem Gedicht „Die Wiese“ und führt von der Quelle der Wiese am Feldberg bis nach Basel. Besonders hervorgehoben wird die rund 14 Kilometer lange Etappe von Zell nach Steinen. Dort geben Tafeln Einblicke in Leben und Werk Hebels. Ein Ziel entlang des Weges ist das Hebelhaus in Hausen, das heute als Museum besichtigt werden kann. Weitere Informationen gibt es unter www.schwarzwald-tourismus.info.

Auch Berthold Auerbach wird mit einer literarischen Route gewürdigt. Der Schriftsteller aus Nordstetten bei Horb am Neckar wurde mit seinen „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ im 19. Jahrhundert zu einem der meistgelesenen deutschen Autoren seiner Zeit. Seine Werke schildern das traditionelle Leben im Schwarzwald, greifen aber auch gesellschaftliche Gegensätze und Missstände auf. Auf einer knapp zwölf Kilometer langen Talblick-Tour in Horb am Neckar können Wanderer sich auf seine Spuren begeben. Die Strecke führt auch am barocken Nordstetter Schloss vorbei, in dem sich das Auerbach-Museum befindet. Informationen dazu finden sich unter www.horb.de.

Freunde der Mundart kommen in Karlsruhe-Durlach auf ihre Kosten. Dort verläuft ein etwa zwei Kilometer langer Rundweg entlang des Turmbergs. Mithilfe einer Audio-App können an sieben Stationen Gedichte und Texte von Mundartdichtern aus der Region gehört werden. Die Tour verbindet literarische Eindrücke mit weiten Ausblicken über Karlsruhe und die Rheinebene. Nähere Informationen stehen unter www.karlsruhe-erleben.de/tour/mundart-dichter-weg.

Der sogenannte Lebküchlerweg in Todtmoos greift eine regionale Tradition auf, die auch literarischen Widerhall gefunden hat. Die Todtmooser werden seit jeher „Lebküchler“ genannt, weil früher neben den Bäckern auch Frauen im Ort mit dem Backen von haltbaren Lebkuchen ein Zubrot verdienten. Der rund zwölf Kilometer lange Genießerpfad führt über Wiesen- und Waldpfade bis auf knapp 1200 Meter Höhe. Die Tradition wurde auch im Kinderbuch „Alle warten auf das Lebkuchenweiblein“ von Heidi Knoblich aufgegriffen. Weitere Informationen gibt es unter www.geniesserpfade-schwarzwald.info.

Als literarische und landschaftliche Gesamtbetrachtung wird außerdem der Westweg genannt. In dem Buch „Über den Schwarzwald: Entdeckungsreise auf dem Westweg“ aus dem Jahr 2024 verweben Autor Johannes Schweikle und Fotograf Daniel Keyerleber Naturbeschreibungen, Wandererlebnisse, Geschichtslinien und literarische Stimmen. Der legendäre Westweg verläuft auf 285 Kilometern von Pforzheim bis Basel. Das Buch spürt dabei auch der historischen Veränderung des Schwarzwald-Bildes nach, das von romantischen Autoren entscheidend geprägt wurde. Informationen zum Weg stehen unter www.westweg.info.

In Königsfeld wird an Albert Schweitzer erinnert. Der als Arzt, Philosoph, Theologe und Organist bekannte Friedensnobelpreisträger schuf sich dort 1923 ein Haus für seine Familie. Seit 25 Jahren dient das frühere Wohnhaus als Dokumentationsstätte über sein Leben und Wirken. Ergänzend führt der Spazierweg „AusZEIT“ durch den Kurpark und in den Doniswald und greift Gedanken zum Thema Zeit auf. Informationen dazu gibt es unter www.koenigsfeld.de.

Eine weitere literarische Veranstaltung ist die Buchmesse „Blätterrauschen“, die vom 8. bis 10. Mai 2026 im Kurhaus Hinterzarten stattfindet. Autoren und Verlage aus dem Hochschwarzwald stellen dort Werke mit Schwarzwald-Bezug vor. Zum Programm gehören Lesungen, Filmvorträge und Gesprächsrunden. Außerdem werden ausgewählte Bücher in den Kategorien Belletristik und Sachbuch mit dem Förderpreis „Wälderliebling“ ausgezeichnet. Informationen dazu finden sich unter www.hochschwarzwald.de/buchmesse.

In Emmendingen befindet sich das Deutsche Tagebucharchiv, das nach Angaben der Tourismusgesellschaft einzigartig in Deutschland ist. Es sammelt deutschsprachige Tagebücher, Lebenserinnerungen und Briefwechsel von ganz unterschiedlichen Menschen. Das älteste Tagebuch stammt aus dem Jahr 1760. Im kleinen Museum werden ausgewählte Stücke in Wechselausstellungen gezeigt, darunter Reisejournale, Jugendtagebücher, künstlerisch gestaltete Diarien und ungewöhnliche Einzelstücke. Das Museum ist dienstags bis donnerstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet, Führungen sind nach Absprache möglich. Weitere Informationen stehen unter www.tagebucharchiv.de.

Auch Baden-Baden wird als literarischer Ort hervorgehoben. Im Muße-Literaturmuseum wird die Stadt als Lebensort, Erzählraum und Lehrort für Literatur dargestellt. In 18 Räumen werden Texte und Schicksale von mehr als 100 Schriftstellern vorgestellt, darunter Paracelsus, Mary Shelley, Dostojewski, Tolstoi, Mark Twain und Simone de Beauvoir. Das Museum zeichnet damit das literarische Baden-Baden vom Mittelalter bis in die Gegenwart nach. Informationen dazu gibt es unter www.baden-baden.com.

In Badenweiler schließlich erinnert der „Tschechow-Salon“ an Anton Pawlowitsch Tschechow, der 1904 mit seiner Frau in den Kurort reiste und dort starb. Das Museum gilt als einziges westeuropäisches Museum für den russischen Schriftsteller und Dramatiker. Darüber hinaus werden dort 25 deutsche und internationale Autoren vorgestellt, die in Badenweiler gekurt oder gelebt haben. Nähere Informationen stehen unter www.literaturmuseum-tschechow-salon.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert