Verbundprojekt erforscht Gesundheit und Leistung von Spitzensportlerinnen

[FREIBURG]

In dem neuen Verbundprojekt Athletin-D erforschen die Universitäten Bochum, Freiburg, Wuppertal und die TU München geschlechtsspezifische Besonderheiten im Leistungssport. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Frage, wie Trainings- und Gesundheitsmanagement von Athletinnen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus im olympischen und paralympischen Spitzensport verbessert werden können.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft fördert das Projekt mit knapp 1,6 Millionen Euro über vier Jahre innerhalb der Ausschreibung „Athletinnen im Spannungsfeld von Leistungsoptimierung und Gesunderhaltung“. Das Konsortium arbeitet mit Athletinnen, Trainern und Expertenteams nationaler Spitzensportfachverbände und Olympiastützpunkte zusammen.

Zum interdisziplinären Kernteam gehören Prof. Dr. Karsten Köhler, Ernährungswissenschaftler an der TU München, Prof. Dr. Kirsten Legerlotz, Trainingswissenschaftlerin an der Universität Wuppertal, Prof. Dr. Petra Platen, Sport- und Ernährungsmedizinerin an der Universität Bochum, sowie Prof. Dr. Jana Strahler, Sportpsychologin am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg.

An der Universität Freiburg leitet Strahler einen Projektteil, der das Zusammenspiel von hormonellen Prozessen, Stress, Lebensstilfaktoren und psychischer Gesundheit bei Athletinnen untersucht. Die Forschung ist am Health Education & Research Lab der Universität Freiburg angesiedelt. Ziel ist es, psychophysiologische Prozesse im Trainings- und Wettkampfalltag systematisch zu erfassen und für das Leistungs- und Gesundheitsmanagement nutzbar zu machen.

„Wir möchten besser verstehen, wie körperliche und psychische Faktoren gemeinsam die Leistungsfähigkeit und Regeneration von Athletinnen beeinflussen“, sagt Strahler. „Das Projekt soll ermöglichen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede im Leistungssport systematisch berücksichtigt und konkrete Verbesserungen für Training, Monitoring und interdisziplinäre Betreuung von Athletinnen daraus abgeleitet werden.“

Die Forscher wollen mehr Wissen darüber gewinnen, wie der Menstruationszyklus die Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit beeinflusst. Gleichzeitig soll untersucht werden, wie Hochleistungstraining sowie damit verbundene physische, psychische und ernährungsbezogene Faktoren auf die Zyklusgesundheit wirken. Dieses Wissen soll anschließend praktisch nutzbar gemacht werden.

Das Projekt verfolgt einen transdisziplinären Ansatz. Eine zentrale Rolle spielt dabei die enge Verzahnung mit der Leistungssportpraxis. Die Wissenschaftler entwickeln Lösungen im Austausch mit Athletinnen, Trainern und Expertenteams. Dafür kooperiert das Konsortium mit nationalen Spitzensportverbänden, Olympiastützpunkten und internationalen Partnern. Aus dieser Zusammenarbeit sollen auch Wissens- und Anwendungslücken abgeleitet und wissenschaftlich bearbeitet werden.

„Wir werden in Freiburg neuartige Methoden einsetzen und zum Beispiel biologische Stressmarker im Körper messen. Dabei verwenden wir unter anderem das Ecological Momentary Assessment, eine wissenschaftliche Methode, die das Verhalten, Emotionen und körperliche Prozesse in Echtzeit in der Alltagsumgebung der Athletinnen erfasst“, sagt Strahler. „So können wir Belastungs- und Anpassungsprozesse im Trainingsalltag differenziert abbilden und besser verstehen.“

Auf Grundlage der Erkenntnisse soll ein frei verfügbares digitales Monitoring-System entwickelt werden. Es soll Daten zum Menstruationszyklus systematisch und individualisiert in Trainingssteuerung und Gesundheitsmanagement aufnehmen. Das System soll als Schnittstelle zwischen Athletinnen, Trainern und interdisziplinärer Betreuung dienen und bestehende Monitorings im Leistungssport gezielt erweitern.

Prof. Dr. Jana Strahler ist Professorin für Sportpsychologie am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg und leitet das Health Education & Research Lab. Zu den Forschungsschwerpunkten des Labs gehören Gesundheitsverhalten, psychische Gesundheit, geschlechtsspezifische Unterschiede in Prävention und Leistung, Bewegung, Körperwahrnehmung, Menstruationszyklus und sportliche Leistungsfähigkeit. Strahler forscht außerdem zu psychophysiologischen Stressprozessen und deren Bedeutung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Sport. Sie ist Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland.

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